Mit dem Schlauchboot im Golf von Orosei

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Wer kennt es nicht? Man liegt am Strand und beobachtet die weiße Luxusyacht die vor Anker liegt und beneidet die Reichen und Schönen die gerade Champagner und Erdbeeren bei einem Sonnenbad an Deck genießen. Wie man Jetset in Sardinien selber für wenig Geld organisiert bekommt kann ich euch hier zeigen. Wer aber türkisblaues Meer, schöne einsame Buchten und schnelle Motorboote nicht mag sollte jetzt nicht mehr weiterlesen. Wer trotzdem neugierig ist, viel Vergnügen bei einem Ausflug mit dem Schlauchboot im Golf von Orosei.

Erstes Wow-Erlebnis bei der Anfahrt zum Golf von Orosei

Der Golf von Orosei erstreckt sich von der Stadt Orosei im Norden bis zum südlichsten Punkt dem Capo di Monte Santo. Dieser halbmondförmige Küstenabschnitt an Sardiniens Ostküste wird von einer atemberaubenden Steilküste abgegrenzt. Dahinter liegt der Supramonte Gebirgszug. Aufgrund der Steilküste ist der Küstenabschnitt nicht mit Fahrzeugen sondern nur ausdauernden Wanderern oder eben per Motorboot zugänglich. Und genau diese Abgeschiedenheit macht diesen Teil Sardiniens zu einem der Schönsten.

 

Die Fahrt nach Cala Gonone, wo wir unseren Motorboottrip starten wollen, ist bereits ein Highlight für sich. Kurz hinter Dorgali geht es fast auf 500m ü.d.M hinauf bevor man links in einen 400 Meter langen Tunnel abbiegt. Am Ende des Tunnels ist nicht nur das Licht sondern ein atemberaubender Blick hinunter nach Cala Gonone und über den Golf von Orosei. Der Ort ist ein Mekka für Outdoor-Enthusiasten. Kletterer, Taucher, Kajakfahrer und Wanderer kommen in diesem kleinen Städtchen voll auf ihre Kosten. Nach dem Kurvengeschlängel runter bis auf Meereshöhe kommt man direkt in den Hafen von Cala Gonone.

Eine Holzhütte reiht sich an die Andere

Angekommen im Hafen merkt man auch schnell dass dieser Küstenbereich von Sardinien, wie viele andere auch, sehr vom Tourismus lebt. Bunte Verkaufsstände mit all den Utensilien die man für einen Tag am Meer benötigt reihen sich aneinander. Direkt vor der Hafenmauer finden wir aber das warum wir hergekommen sind. Die kleinen Holzhütten der Bootcharterer. Ich habe nicht gezählt wie viele es sind aber die Auswahl ist mehr als ausreichend. Wir haben uns natürlich schon vorher auf unserem Campingplatz erkundigt wie so eine Bootsmiete in Italien funktioniert und vor allem was sie kostet. Abhängig ist der Preis, wie natürlich überall, von der Saison. Man kann mit einer Tagesgebühr von 80,- bis 150,- Euro kalkulieren. Da wir Ende Juni auf Sardinien waren und die Hauptsaison noch nicht begonnen hatte, konnten wir ein Boot für 80,- Euro ergattern. Benzin wird am Ende des Tages nach Verbrauch an der Hafentankstelle verrechnet.

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Das junge italienische Mädel am Ticketstand konnte zu unserer Überraschung fließend Englisch, was uns die Entscheidung gerade bei diesem Anbieter zu buchen doch vereinfachte. Ohne große italienisch Kenntnisse und nur mit Händen und Füßen gestikulierend wollen wir keinen Mietvertrag für ein Motorboot unterschreiben. Man bekommt zum Boot noch eine Kühlbox und einen Sonnenschirm. Optimalerweise sollte man zwischen 9:00 Uhr und 10:00 Uhr alles organisatorische erledigt haben. Zu diesem Zeitpunkt ist man auf jeden Fall noch einer der Ersten die das Boot in den Golf von Orosei steuern. Neben Sonnenschirm, Sonnenhut und Sonnencreme haben wir – eh klar – die Schwimmsachen und die Verpflegung für den Tag dabei. Die meisten Boote kommen gegen 17:00 Uhr wieder zurück zum Hafen. Will man sich den abschließenden Stau an der Tankstelle ersparen, einfach eine halbe Stunde eher dran sein.

Die Küste immer auf Steuerboard

Giovanni – oder so ähnlich – steht mit dem Motorboot schon bereit. Ein 5 m langes und mit einem 40 PS Außenborder bestücktes Schlauchboot. Man profitiert von den liberaleren Gesetzen in Italien, denn ein solches Motorboot darf man in anderen Ländern nicht ohne Führerschein selber lenken. Nach 5 Minuten ist man eingewiesen und das Abenteuer Golf von Orosei kann beginnen. Wichtigste Regel zu Beginn, die Küste muss bei Abfahrt rechts sein, also Steuerbord, damit man auch sicher in Richtung Süden in den Golf cruised. Unsere Kühlbox hat nicht nur den Proviant für den Tag geladen sondern auch unser Frühstück, welches wir in einer der ersten einsamen Buchten verspeisen wollen. Leckeren Prosciutto, wunderbarer sardinischer Pecorino Käse, frischer Ricotta, backfrisches italienisches Brot und ein paar frische Früchte solltet ihr auf jeden Fall für das Frühstück dabei haben.

Hinter jedem Kalksteinfelsen eine Bucht

Die berühmtesten Buchten bzw. Strände im Golf von Orosei sind Cala Luna, Cala Sisine, Cala Biriola und der vielleicht schönste Strand Cala Goloritze. Neben den schönen Stränden hat die Natur auch wunderbare Grotten und atemberaubende Kalksteinformationen geschaffen. Eines ist garantiert. Der rund 20 km lange Golf von Orosei bietet auf jedem Meter unglaubliches Naturkino. Nach unserem Frühstückshalt und einem ersten Bad im Mittelmeer steuern wir direkt den südlichsten Punkt, weiter darf man auch laut Bootsverleiher nicht fahren, Cala Goloritze an. Wir sind immer noch recht früh dran und nur wenige andere Boote sind unterwegs. Von den großen Touristenschiffen ist auf jeden Fall noch keine Spur zu sehen. Unser Plan ist die Küste von Süden nach Norden zu erkunden.

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Der frühe Vogel hat den Strand für sich alleine

Ein Plan ist die eine Sache, die Umsetzung aber eine andere. An den vielen kleinen Grotten, Buchten und Stränden kann man einfach nicht so leicht vorbei steuern. Vor allem das türkisblaue Meer, schöner ist es in der Karibik auch nicht, verführt einen zu wiederholten Badestopps. Das Motorboot mit seinen 40 PS macht aber auch so viel Spaß, dass wir dann doch nach rund 2 Stunden am südlichen Wendepunkt am Cala Goloritze ankommen. Spätestens jetzt wird der letzte eine Kopfsprung ins Meer wagen und zum feinen Strand schwimmen wollen. Aber Achtung. Bitte nicht vor Begeisterung vergessen das Boot ordentlich zu verankern. Noch sind nur wenige in der Bucht. Der große Ansturm der Pauschalbucher steht noch bevor.

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Funfaktor mit nur 40 PS

Die 20 km die man Richtung Süden bereits zurückgelegt hat, haben so viele schöne Natureindrücke gebracht, dass man sich schon auf den Weg retour freut. Vor allem macht das Cruisen mit dem Motorboot riesigen Spaß. Man möchte gar nicht glauben das 40 PS auf dem Wasser so viel Vortrieb produzieren können. Abwechselnd, mal ganz gemächlich durch die Buchten gleitend, mal sportlich über die Wellen springend geht’s wieder zurück in Richtung Cala Gonone. Der Tipp vom Verleiher recht schnell in den Süden zu fahren und dann die Küste auf den Heimweg zu genießen war auf jeden Fall gut. Die Sonne verschwindet hinter der hohen Steilküste im südlichen Bereich wesentlich früher als im Abschnitt nahe dem Ausgangspunkt. Wir sind dann so gegen 17.00 Uhr wieder in Cala Gonone und Giovanni – oder so ähnlich – erwartet uns schon am Pier um uns zur Tankstelle zu begleiten. Wir bezahlen die 35 Euro Benzin und geben völlig erschöpft von den Eindrücken und der Sonne das Boot zurück. Zwei Tage später stehen wir wieder vor der Holzhütte und leihen uns ein weiteres mal ein Schlauchboot. Jetset Feeling macht eben süchtig 😉

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7 Kommentare

  1. Hallo, dein Bericht ist wirklich super und hat mich davon überzeugt auch so eine Tour machen zu wollen. Wir fliegen am SA nach Sardinien….kannst du mir sagen wie euer Verleiher hieß?

    • Hi Diana

      Alle Vermieter (und es gibt einige) haben dort eine Box. Unserer hatte die Box Nr. 4
      Rent a Boat – Di Gianni Satgia (Cala Gonone Porto)

      Unsere erste Tour hatten wir am Campingplatz gebucht. Beim zweiten mal direkt an der Box. Ist eventuell billiger (um 20 EUR) da die Provision wegfällt.

      Ich wünsche euch einen schönen Sardinien Urlaub.

      LG
      Hari

      • Super-herzlichen Dank. Eine Frage noch: Gibt es irgendeine Möglichkeit mit dem Verleiher in Kontakt zu kommen wenn man 20km weit weg ist – falls was mit dem Boot, dem Meer oder was auch immer ist?? *ängstlich* 😉

        • Hi Diana
          ja du kannst mit dem Handy jederzeit anrufen. Wir hatten am südlichsten Punkt auch ein Problem am Motor und nach ein paar Minuten war der Vermieter da und hat alles repariert. Wir sind inzwischen im Meer geschwommen…..
          LG Hari

  2. Wirklich interessanter Bericht von deinem Urlaub. Der macht ja richtig Lust auf Mee(h)r…
    Und das man in Italien führerscheinfrei mit nem 40 PS Schlauchboot fahren kann hat auch was…

  3. Sehr schöne Bilder! Da überlegt man ja direkt auch mal dort Urlaub zu machen!
    Und attraktiv für welche die mal etwas schneller auf dem Wasser unterwegs sein wollen ohne einen Führerschein zu machen :)

    Gruß
    Sandra

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